Tanzen in der Salsa-Szene. Eine methodenintegrative empirische Analyse von Verhalten und Erleben

Vagt-Keßler, Silke (2010) Tanzen in der Salsa-Szene. Eine methodenintegrative empirische Analyse von Verhalten und Erleben. Dissertation thesis, Deutsche Sporthochschule Köln.

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Kurzfassung

Musik und Tanz sind wie Sport Produkte kultureller Prozesse. Sie spiegeln die Traditionen von Epochen und Gesellschaften wider und entwickeln sich im Kontakt mit anderen Kulturen weiter. In der vorliegenden Arbeit werden das Verhalten und Erleben in einer neuen Tanzszene, der deutschen Salsa-Szene, mittels eines methodenintegrativen Ansatzes empirisch untersucht. Die Methodentriangulation basiert auf Teilnehmender Beobachtung, leitfadengestützten Interviews mit Tänzer/innen und einer standardisierten Befragung (Online-Survey; N=2416). Im Rahmen einer qualitativen und einer quantitativen Teilstudie wurden Verhalten, Motive, Einstellungen und Gefühle der Tänzer/innen und die sozialen Strukturen, in die diese eingebettet sind, analysiert. Die Begeisterung für das Salsa-Tanzen und das Entstehen einer Salsa-Szene werden sowohl als Ausdruck als auch als Reaktion auf Prozesse der gesellschaftlichen Individualisierung interpretiert. Dabei hängen Verhalten und Erleben des Salsa-Tanzens tendenziell von sozialen Merkmalen wie Geschlecht, kulturellem Hintergrund, Bildung und Alter ab. Das Tanzniveau allerdings ergibt sich im Rahmen multivariater Regressionsmodelle als größter Einfluss auf das Tanzverhalten und -erleben, da Status über Könnerschaft und Körperkapital zugewiesen wird. Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Feststellung einer Ausdifferenzierung des Salsa-Tanzens als eine Folge der in Deutschland verankerten Distanz- und Leistungsnormen. Es zeigen sich u.a. Tendenzen einer ‚Versportlichung’ des Salsa-Tanzens. Diese differenzieren sich aus im Sinne einer Fitnessorientierung und einer figurenorientierten Umsetzung mit perfektionistischem Anspruch. Die Tänzer/innen nehmen ihre gesellschaftlich geprägte Leistungsorientierung mit in die Szene hinein und erzeugen Anerkennung, aber auch sozialen Druck. Tendenzen der Szeneentwicklung wie Kommerzialisierung, Eventisierung und Professionalisierung unterstützen zum einen diese Veränderung des Tanzens, zum anderen werden sie selbst dadurch beeinflusst. Kulturtransfer verläuft demnach nicht einseitig, sondern bringt neue Verhaltensweisen und Bedeutungsnuancen hervor. So ist das Salsa-Tanzen in Prozesse der „Akkulturation“ eingebunden. Abstract Music and dance, like sports, are products of cultural processes. They reflect the traditions of historical periods and societies and continue to develop in contact with other cultures. The behaviour and experience of salsa dancers in the new German salsa scene were examined empirically using an approach which integrates various methods. The empirical study is based on expert interviews about the local salsa scene, observational research in salsa clubs, problem centred interviews of dancers and a standardised online survey (N=2,416). The empirical research focuses on the behaviour, motives, attitudes and emotions of dancers and the social structures of the scene in which they are embedded. These aspects are analysed both by qualitative and quantitative perspective. The enthusiasm for salsa dancing and the growing scene can be interpreted both as an expression of and as a reaction to the process of individualization in society. Multiple regression models show that experience and behaviour are influenced by social characteristics such as gender, cultural background, education and age. However, the level of dancing skills is identified as the most influential effect on experience and behaviour because status is ascribed with reference to ability and body capital. One main result is the detection of the differentiation of salsa dancing. This can be interpreted as a consequence of Germans` social norms of distance und achievement. Trends towards a sporty way of dancing salsa can be observed in an orientation towards fitness dancing and a perfectionism in the field of turning figures. Dancers take their internalised achievement orientation into the scene and this produces appreciation as well as social pressure. Trends towards commercialisation, professionalism and bigger events support this development and are in turn influenced by it. This reciprocal effect of cultural transfer creates new attitudes and connotations. Thus, salsa dancing is included into processes of “acculturation”.

Typ des Eintrags:Hochschulschrift (Dissertation)
Stichwörter:Sportsoziologie, Salsa, Tanzen, Tanzforschung, Szene, Salsa-Szene, Szeneforschung, empirische Analyse, Online-Befragung, Interviews, problemzentrierte Interviews, Verhalten, Einstellungen, Motive, Gefühle
Themengebiete:A Allgemeines > AC Alle Werke
ID-Code:188
Hinterlegt von:Silke Vagt-Keßler
Hinterlegt am:25 Mai 2010 10:47
Letzte Änderung:26 Jun 2010 01:01

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